Oberdalhoff zahlte Spitzensteuersatz

Ein 400 Jahre altes Schatzungsregister gibt Einblick in die Vergangenheit


Von Dr. Christof Spannhoff


Vor genau 400 Jahren, im Jahr 1621, erhob Graf Adolf von Bentheim-Tecklenburg (1577–1623, seit 1606 Regent) in seinem Herrschaftsgebiet eine Steuer. Das darüber erstellte Register vermag einen interessanten Einblick in die Zeit seiner Entstehung zu geben, wie hier am Beispiel Lienens gezeigt werden soll:


Der später sogenannte Dreißigjährige Krieg (1618–1648) war damals noch jung, aber der acht Jahrzehnte andauernde Streit um die Unabhängigkeit der Niederlande (1568–1648) währte bereits über ein halbes Jahrhundert und zog auch in regelmäßigen Abständen das Tecklenburger Land in Mitleidenschaft. Allerdings war es seit einigen Jahren recht ruhig in der Region geblieben. Der Tecklenburger Graf benötigte aber trotzdem stets Kapital, um Söldner zu entlohnen oder die Kontributionen der fremden Soldaten zu begleichen, damit sie das Land nicht verwüsteten. Aber natürlich fielen auch alltägliche Ausgaben für Verwaltung und Hofhaltung an. Um eine Schatzung erheben zu können, bedurfte es allerdings der Zustimmung der sogenannten Landstände. Das war in der Grafschaft Tecklenburg damals die Ritterschaft, die sich aus den Besitzern der zehn landtagsfähigen Güter zusammensetzte: Cappeln (Westerkappeln), Hülshoff (Tecklenburg), Kirstapel (Lienen), Kronenburg (Lengerich), Langenbrück (Westerkappeln), Marck (damals noch Lengerich), Meesenburg (Ledde), Schollbruch (Lengerich), Velpe (Westerkappeln) und Vortlage (Lengerich).


Das Steuerverzeichnis besitzt einen Umfang von 30 beidseitig beschriebenen Blättern im Format von 33 mal 20 Zentimetern und trägt den Titel „Schatzung zweiter Termin. Anno 1621.“ Es wurde von einer einzigen Schreiberhand abgefasst, die Maßangaben sind in arabischen Ziffern notiert. Man listete die Steuerzahler und den jeweiligen Abgabenbetrag in Talern, Schillingen und Pfennigen auf. Gegliedert ist das Register nach Kirchspielen und Bauerschaften: Cappeln (Westerkappeln), Lengerich, Ledde, Lienen, Ladbergen, Lotte, Leeden, Wersen und Schale. Der Ort Tecklenburg selbst wird nicht aufgeführt.


Bei der Einteilung nach Bauerschaften fällt auf, dass es eine eigene für Kattenvenne nicht gibt. Die dortigen Höfe wie „Peter uff dem Katten Venne“ (Peters) werden noch unter Meckelwege eingruppiert. Als selbstständige Einheit etablierte sich der heutige zweite Siedlungsschwerpunkt erst nach 1650. Dafür werden 17 Höfe unter dem mittlerweile osnabrückischen Ostenfelde erwähnt, das seinerzeit schon lange kirchlich zu Glane gehört hatte (1263), aber erst 1609 auch politisch von Lienen abgetrennt wurde. Der Tecklenburger Graf besaß hier allerdings mehrere abgabepflichtige Stätten, weshalb diese Aufnahme fanden. Insgesamt erhob der Tecklenburger Graf 1621 in Lienen und Ostenfelde von 265 Pflichtigen Abgaben. Die meisten von ihnen wohnten in der Großbauerschaft Meckelwege (62), gefolgt von Dorf und Dorfbauerschaft (51). Westerbeck (35), Aldrup (31) und Holzhausen (30) waren etwa gleichgewichtig vertreten. Holperdorp (21), Höste (18) und Ostenfelde (17) wiesen die geringsten Ziffern von Steuerzahlern auf. Vergleicht man das Bild mit einer Abgabenerhebung gut 40 Jahre zuvor (1580), so lässt sich bis zum Jahr 1621 ein Zuwachs von 57 Steuerzahler feststellen. Besonders in Meckelwege und Dorfbauer stieg die Anzahl der Abgabenpflichtigen an. Das zeigt, dass hier in den letzten Jahrzehnten verstärkt gesiedelt wurde. Im Dorf verdichtete sich die Bebauung um die Kirche herum, in Meckelwege bebaute man die weitläufigen Gemeinheitsflächen mit sogenannten Markenkotten. Kaum personellen Zuwachs erhielt hingegen die Bauerschaft Holperdorp, deren Fläche zwischen den Hügelketten des Teutoburger Waldes begrenzt war.


DerHof Oberdalhoff auf einem Luftbild von 1957. Foto: Archiv Heimatverein Lienen


Anders als noch 1580 wurden 1621 nicht nur von den Bewohnern der Höfe und Leibzuchten (Altenteilhäuser) Steuern entrichtet, sondern auch aus einigen Backhäusern. Diese Nebengebäude waren also bewohnt. Hier finden wir die Anfänge der sogenannten Heuerlinge, die in einem Gebäude (Heuerhaus) eines Bauernhofes lebten und für ihre Wohnung und ein Stück Hofesland neben Pacht/Miete (Heuer) den Bauern bei der Bewirtschaftung seines Anwesens entgeltlos unterstützen mussten.

Den höchsten Steuerbetrag zahlte damals Oberdalhoff mit 15 Talern, fünf Schillingen und sechs Pfennigen. Er war seinerzeit also der leistungsstärkste Bauer im Kirchspiel. Seine Abgaben stellten auch im Vergleich mit Lengerich und Ladbergen einen Spitzensatz dar; nur Berckemeier in Lengerich-Aldrup (heute Exterheide) zahlte mit 15 Talern, 12 Schillingen und drei Pfennigen geringfügig mehr. Über zehn Taler gaben immerhin noch 13 weitere Lienener Stätten. Wegen wirtschaftlichen Unvermögens sind bei 11 Pflichtigen keine Abgaben verzeichnet – die meisten von ihnen kamen aus Meckelwege und Westerbeck. Zum Vergleich: Für fünf Taler bekam man zu dieser Zeit ein fettes Schwein, ein Schaf kostete einen Taler, zwei Fässer Bier (zusammen 150 Liter) drei Taler.