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Von alten Wegen, Kirchen und Straßensperren

Die Steinerne Treppe war einst wichtige Verbindung nach Osnabrück


Von Dr. Christof Spannhoff


Warum befindet sich die evangelische Kirche in Lienen an dem Ort, an dem sie steht, und nicht woanders? Ein Gotteshaus an der heutigen Stelle existierte mindestens seit dem 10. Jahrhundert, wenn nicht sogar schon seit der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Die historische Forschung hat schon länger erkannt, dass alte Sakralbauten überwiegend an Verkehrsknotenpunkten errichtet wurden. Nun liegt die Lienener Kirche südlich des einstigen Deetweges als uralter, schon vor- und frühgeschichtlicher Verbindungstrasse zwischen Rheine und Paderborn. Anders als etwa im benachbarten Lengerich kreuzten sich hier allerdings keine Überlandwege. Oder vielleicht doch?

Der Verlauf des alten Weges nach Osnabrück im Bereich der Steinernen Treppe auf der Preußischen Uraufnahme von 1841.


Der Osnabrücker Historiker und Altwegeforscher Dr. Gerd-Ulrich Piesch hat sich jüngst mit einem ehemaligen Fernweg von Osnabrück nach Münster befasst. Wie aus historischen Karten ersichtlich ist, verlief diese Verbindung über Georgsmarienhütte, hier von der Marienklause an der Südwestecke Hindenburgstraße/lm Steinbruch über die Straßen Untere Findelstätte und Kohlgarten und überquerte den sogenannten Malberger Pass zwischen Baumannsknollen und Lammersbrink. Anschließend passierte der Weg das Tal zwischen Bardinghaussundern und Grafensundern im Osten und Baumannsknollen und Nottberg im Westen, um schließlich den Wohnplatz Achter de Welt mit der Straße Hagen–Bad Iburg zu verbinden. Recht eindrucksvolle Wegespuren und Hohlwege entlang der Strecke zeugen von seiner einstigen Bedeutung. Südlich der Straße von Hagen nach Bad Iburg erreichte die Verbindung dann den Amtsweg und das ehemalige Gasthaus Zum Urberg (Amtsweg 19) am heutigen Dreiländereck, wo die Grenzen der Kommunen Hagen am Teutoburger Wald, Bad Iburg und Lienen zusammentreffen. Von hier setzte sich die Trasse nach Südwesten zur Straße Bad Iburg–Holperdorp–Sudenfeld (Holperdorper Straße) fort und stieß schließlich auf die Steinerne Treppe. Noch in der regionalen Wanderliteratur um 1910 wird diese Strecke als „Fahrweg Lienen–Malbergen“ bezeichnet.


Durch den Ausbau der heutigen Holperdorper Straße und die Anlage der Serpentinen ebenfalls um 1910 verlor die Verbindung über die Steinerne Treppe ihre Bedeutung. Mit diesem alten Überlandweg, der wegen der erhaltenen Hohlwegreste mindestens bis in das Mittelalter zurückreicht, aber vielleicht noch älter ist, weist die Situation in Lienen also – wie Lengerich – ebenfalls ein Wegekreuz auf, in dessen Nähe die erste Lienener Kirche errichtet worden ist.


Durch die Entdeckung der Steinernen Treppe als Teilstück einer alten Straße erhält auch der Name des an dieser Strecke gelegenen Hofes Schomberg eine einleuchtende Erklärung. Der Hof wird 1494 erstmals als „Scouwenborch“ erwähnt. 1511 heißt er „Schouwenberg“, woraus sich durch Zusammenziehung 1580 die Form „Schomberg“ bildete. Es handelt sich also bei dem Hofnamen „Schomberg“ ursprünglich um einen Flurnamen. In der Nähe dieser Flur entstand dann der Hof, auf den der Flurname übertragen wurde. Der erste Teil des Namens scouwen oder schouwen ist an altniederdeutsch skauwan, mittelniederdeutsch schouwen ‚schauen‘ anzuschließen. Der Schomberg war also die Anhöhe, von der man schaute. Wenn man vom Erstbeleg von 1494 mit dem Grundwort mittelniederdeutsch -borch ‚Burg‘ ausgeht, könnte bei Schomberg auch eine Verteidigungsanlage gelegen haben. Vielleicht hatte Schomberg einst die Aufgabe, den Weg zu sperren bzw. die Wegekreuzung zu überwachen.


Sprachlich entspricht übrigens die Schaumburg bei Hameln, 1149 „de Scowenborch“. Bei dieser handelte es sich um die ‚schauende Burg‘ oder ‚Burg, von der man schaut‘ – eine Befestigung also, von der man, wegen ihrer günstigen Lage, die Angreifer bereits früh erblicken konnte.


Die Ermittlung der alten Wegetrasse von Lienen nach Osnabrück kann somit wichtige Fragen der Ortsgeschichte beantworten.

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