Woher kommt der Familienname Huneke?

Viele Menschen im Tecklenburger Land heißen Huneke oder Hunecke. Doch was bedeutet dieser Hof- und Familienname eigentlich? Ein Großteil der heutigen Namensträger dürfte Vorfahren gehabt haben, die von dem gleichnamigen Bauernhof in Lienen-Holperdorp (Holperdorp 3) stammen. Es gibt aber auch ein weiteres Anwesen in Lotte, das ebenfalls schon 1575 als Huneke erwähnt wird. Im Lienener Fall lässt sich die Namensentwicklung allerdings verlässlich rekonstruieren: Die gegenwärtige Form Huneke erscheint bereits seit 1575. 1545 lautet der Name abweichend Hunek, 1634 Hunike, 1673 Hunecke. 1755, 1774 und 1833 kommen die verkürzten Formen Huncke und Hunke vor.


1482 wird der Name Huneke erstmals als Hünekinck in einer Urkunde erwähnt.

Foto: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Grafschaft Tecklenburg, Urkunden, Nr. 316.


Die Lösung des Rätsels, was der Name bedeutet, bietet aber seine älteste, bisher bekannte Schreibweise: Am 11. März 1482 verkaufte der Adlige Hermann von Borchorst genannt Kerstapel dem Grafen Nikolaus von Tecklenburg seinen Kotten genannt „Hünekinck to Holtperdorpe in den Kerspel van Lynen“. Durch den Erwerb dieser nahe der Grenze gelegenen Bauernstätte versuchte der Graf, seine Gebietsansprüche gegen das Hochstift Osnabrück zu festigen. Noch 1618 heißt es nämlich in einem Grenzverhör, dass Johann Huneke „auf dießeit der Landtwehr, unnd also in Osnabruggischer Hoheit [wohne], sei auch einmahl von den Iburgischen Beampten […] wegenn seiner Unthaten gefengklich eingetzogen, halte aber woll dafür, daß er in Teckelnburgischen Holtzgerichte geseßen, gehöre gleichwoll nach Lynen zur Kirchen.“


Das Anwesen Huneke in Holperdorp lag schon immer nah der Grenze.

Hier ein Ausschnitt aus einer Grenzkarte von 1843.

Foto: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Kartensammlung A 3994.


Der Name Huneke ist also auf Hünekinck zurückzuführen. In die ortsgeschichtliche Literatur zu Lienen hatte sich dagegen bisher die falsche Form Hünekrink eingeschlichen, die die korrekte Namenerklärung verdunkelte. Jedoch steht im Original der Urkunde, die sich im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen (Grafschaft Tecklenburg, Urkunden, Nr. 316) befindet, eindeutig Hünekinck. Diese Form lässt sich in sprachlich sinnvolle Einheiten zerlegen. Es handelt sich um eine Bildung mit der Endsilbe (Suffix) -ing (hier als -inck geschrieben), die in niederdeutschen Namen des Mittelalters häufig erscheint. Das -ing zeigt eine Zugehörigkeit zu etwas an. Zumeist steht dann im ersten Bestandteil ein Rufname. Die Familie und Nachkommen Karls des Großen waren die Karl-inge oder Karol-inger, die Untertanen Kaiser Lothars I. († 855) und König Lothars II. († 869) wurden Lothar-inge genannt, das von ihnen bewohnte Gebiet Lothar-ingia, das heutige Lothringen. Somit dürfte auch in Hünekinck ein Rufname stecken. In Frage kommen die Rufnamen mit Hûn- wie Hunbald, Hunbert, Hunburg, Hunfried, Hunger, Hunold, Hunrad, Hunrik, Hunwart, als Kurzformen Huno oder Hun. Letztere begegnen schon zwischen 822 und 876 in den Aufzeichnungen des Klosters Corvey. Doch auch im Münsterland waren die Namen im Mittelalter verbreitet. Das Freckenhorster Heberegister aus der Zeit um 1100 nennt einen Huno, die ältere Herzebrocker Heberolle, entstanden zwischen 1082 und 1096, kennt einen Huni. Für den Namen Hünekinck ist aber eher die Koseform Huniko mit dem Verkleinerungssuffix -iko, -ike anzusetzen. Im Hochdeutschen entspricht dieser Endung heute -che(n) wie in Brot und Brötchen. Ein Huniko ist ebenfalls im Freckenhorster Heberegister belegt. Hünekinck meint also ‚die Leute eines Huniko‘ oder ‚diejenigen, die zu einem Huniko gehören‘. Der einst namengebende Huniko dürfte das Familienoberhaupt gewesen sein, nach dem die Familie und das Gesinde benannt wurden.